ALLES ÜBER DIE MOBILE ART DES WOHNENS

Wohnmobilreise: wilde Bergwelt, idyllische Dörfer

Weshalb ins Ausland reisen, wenn die Schweiz eigentlich alles bietet, was man sich von einem Alpenland verspricht? Dass die Bergwelt der französischen und italienischen Alpen mit versteckten Perlen, wenig bekannten Nationalparks und verträumten Dörfern aufwartet, ist vielen Schweizern nicht bewusst. Aus diesem Grund lohnt sich die Fahrt ins nahe Ausland – erst recht mit dem eigenen Zuhause auf vier Rädern.

Nationalparks Die Reise in die Grenzregion der französischen und italienischen Alpen führt uns in diverse Nationalparks: den Parc National des Écrins, den Parc National de la Vanoise und den Parco Nationale Gran Paradiso. Der Parc National des Écrins umfasst einen Teil der Dauphiné-Alpen. Er wurde 1973 gegründet. Zentrum des Nationalparks ist das Pelvoux-Massiv, das mit der Barre des Écrins den südlichsten Viertausender der Alpen aufweist. Der Parc National de la Vanoise wurde 1963 als erster französischer Nationalpark zum Schutz der unberührten Hochgebirgswelt des Inneren des Vanoise-Massivs und der Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Alpensteinbocks, von dem die letzten Exemplare im östlich anschliessenden, italienischen Nationalpark Gran Paradiso überlebt hatten, gegründet. Der Nationalpark Gran Paradiso wurde 1922 als erster Nationalpark in Italien eingerichtet. Er liegt in den Regionen des Aostatals und Piemonts und erstreckt sich über eine Fläche von 70 318 Hektar, die zumeist bergig ist. Im Westen besteht auf einer Länge von etwa 14 km eine gemeinsame Grenze zum französischen Nationalpark Vanoise.
Nationalparks
Die Reise in die Grenzregion der französischen und italienischen Alpen führt uns in diverse Nationalparks: den Parc National des Écrins, den Parc National de la Vanoise und den Parco Nationale Gran Paradiso.
Der Parc National des Écrins umfasst einen Teil der Dauphiné-Alpen. Er wurde 1973 gegründet. Zentrum des Nationalparks ist das Pelvoux-Massiv, das mit der Barre des Écrins den südlichsten Viertausender der Alpen aufweist.
Der Parc National de la Vanoise wurde 1963 als erster französischer Nationalpark zum Schutz der unberührten Hochgebirgswelt des Inneren des Vanoise-Massivs und der Erhaltung des vom Aussterben bedrohten Alpensteinbocks, von dem die letzten Exemplare im östlich anschliessenden, italienischen Nationalpark Gran Paradiso überlebt hatten, gegründet.
Der Nationalpark Gran Paradiso wurde 1922 als erster Nationalpark in Italien eingerichtet. Er liegt in den Regionen des Aostatals und Piemonts und erstreckt sich über eine Fläche von 70 318 Hektar, die zumeist bergig ist. Im Westen besteht auf einer Länge von etwa 14 km eine gemeinsame Grenze zum französischen Nationalpark Vanoise.

Eigentlich war alles ganz anders geplant. Es ist Mitte August, wir stehen am Anfang unserer dreiwöchigen Wohnmobilferien und möchten durch die Schweiz reisen. Eine kalte Nacht auf dem Gotthardpass liegt hinter uns und die Nebelschwaden, die am Morgen das Wohnmobil umhüllen, versprechen nichts Gutes. Erste Regentropfen, die der Nordwind mit sich trägt, prasseln gegen die Scheiben. Aus unserer Vorstellung von sonnigen Wandertagen im Urner Land und Wallis scheint in den nächsten Tagen nichts zu werden. Statt frustriert Trübsal zu blasen, breiten wir die Landkarte aus, studieren den Wetterbericht und entscheiden uns spontan, den Gotthardpass auf südlichem Kurs zurückzulassen, um in Richtung Italien und Frankreich aufzubrechen. Wieder einmal mehr schätzen wir die Flexibilität, die das Reisen mit dem Camper zulässt. Wir möchten wie geplant Wanderferien verbringen, jedoch bei möglichst trockenem Wetter. Und dies verspricht uns die Wettervorhersage der Region «Hautes-Alpes». Via Milano und Turin nähern wir uns auf bequemen, aber teuren Maut-Autobahnen der italienisch-französischen Grenzregion bei Sestriere. Wie erhofft zeigt sich auch bald einmal die Sonne, und wir schälen uns aus den Fleecejacken. Nach einer kurzen, kurvenreichen Strecke mit Grenzübertritt befinden wir uns schon wieder auf über 1800 Metern.

Der französische Wintersportort Montgenèvre gefällt uns auf Anhieb und als wir einen schön angelegten Stellplatz am Ortsrand entdecken, ist unser erstes Etappenziel bestimmt. Fast 400 Kilometer liegen seit dem Gotthardpass hinter uns. Der Stellplatz von Montgenèvre befindet sich auf einem grosszügigen Gelände am Fusse der Wintersportanlagen. Im Winter muss hier die Post abgehen, wie wir erfahren. Nun im Sommer hat es trotz Ferienzeit im nahen Italien genügend freie Plätze und im Örtchen mit seinem kleinen Zentrum geht es beschaulich zu. Wir erkunden den Dorfkern zu Fuss, decken uns mit frischem Gebäck ein und stimmen uns bei einem Kaffee an der Sonne auf die bevorstehenden Ferien ein.

Während drei Tagen erkunden wir die Umgebung von Montgenèvre zu Fuss und per Mountainbike. Das grosse Skigebiet des Ortes ist von zahlreichen Wegen durchzogen, die sich vor allem auf dem Bike bestens erkunden lassen. Auch wurden in dieser Grenzregion zu Italien früher zahlreiche Militärstrassen in die Felsen geschlagen, die zu entlegenen Festungen führen. Auf diesen Pisten gelangt man ohne technische Schwierigkeiten, jedoch mit einiger Anstrengung, in die aussichtsreiche Höhe. Lässt man die im Sommerschlaf ruhenden Ski- und Sessellifte zurück, taucht man in eine kaum besiedelte, ursprüngliche Natur ein. Wir unternehmen an einem herrlich klaren Sommertag eine ausgedehnte Wanderung ins nördliche Hinterland des Skiortes. Menschen begegnen wir keinen, nur ein paar Kuh- und Schafherden. Letztere werden von wachsamen Hirtenhunden bewacht, die Wölfe von den Schafen fernhalten sollen. Auch in uns scheinen sie eine bedrohende Spezies zu wittern. und als wir an einer Schafherde vorbeigehen, stürzen sich auf einmal drei Hunde auf uns. Wir versuchen die Tiere mit ein paar freundlichen Worten umzustimmen, doch gutes Zureden hilft hier nicht. In kurzer Zeit schnappt einer der Hunde zu, beisst Patrick in den Oberschenkel und lässt uns dann zähnefletschend weiterziehen. Der Angriff hat uns völlig überrascht. Wir hoffen, auf weiteren Wanderungen keinen bewachten Schafherden mehr zu begegnen.

Paradies am Ende der Welt
Nicht weit von Montgenèvre entfernt befindet sich das Städtchen Briançon, das sich nicht nur für einen kurzen Zwischenstopp mit Besichtigung des Stadtzentrums anbietet, auch kann man sich hier bestens mit Lebensmitteln eindecken, wenn man für die nächsten paar Tage in eines der Seitentäler aufbrechen möchte. Westlich von Briançon breitet sich der riesige Parc National des Écrins aus. Er umfasst wilde Täler, vergletscherte Bergspitzen und eine reiche Fauna. Den Nationalpark erreicht man nur durch die Seitentäler, die sich wie Finger ins Herz der geschützten Landschaft strecken. Eines dieser Täler wurde uns als Geheimtipp von Freunden empfohlen, und dahin möchten wir nun. Der Zugang zum Vallouise befindet sich südlich von Briançon. Wir folgen der wild schäumenden Durance durch das sich immer mehr verengende Tal. Auf einer schmalen Strasse, die sich der Wand der Durance-Schlucht entlangschlängelt, geniessen wir schwindelerregende Blicke in die Tiefe. In L'Argentière-la-Basse biegen wir westwärts ab und rollen anschliessend gemächlich talaufwärts in Richtung Ailefroide, unserem Ziel. An den Wohnmobilfenstern ziehen verträumte Bergdörfer vorbei. Links und rechts des Talbodens erheben sich senkrechte Felswände. Dahinter schimmert das blau-weisse Gletscher-eis. Schon die Anfahrt nach Ailefroide ist ein Erlebnis. Wüssten wir nicht, dass sich am Ende des Tales ein grosses Campinggelände befindet, wäre es uns nie in den Sinn gekommen, diesem engen Strässchen in die Wildnis zu folgen. Am Ziel angekommen, erwartet uns ein sympathischer Mix aus Bergdorf, Bergsteiger-Basislager und Campingparadies: Bei der Gabelung zweier Täler ist auf einer riesigen Wiese und idyllisch zwischen den Bäumen ein unglaublich weitläufiger, naturbelassener Campingplatz angelegt. Die Einrichtungen sind einfach, aber man erhält alles, was man braucht. Wir suchen uns ein sonniges Plätzchen mit Blick auf die imposanten Felswände und lassen die Kulisse auf uns wirken.

Auf dem Campingplatz wimmelt es von Kletterern, Bergsteigern und Wanderern, die jeweils morgens aus ihren Zelten kriechen, in Richtung Felsen lossteuern, um abends mit zufriedenen, braun gebrannten Gesichtern und hungrigen Mägen ins Camp zurückzukehren. Wir tun es ihnen gleich und brechen jeweils frühmorgens in die eindrückliche Bergwelt auf. Die Wanderwege beginnen direkt vor der Wohnmobiltür, so dass man praktisch zum Bett rauskriechen und in die Wanderschuhe springen kann. Wir erkunden die unberührten Seitentäler und treffen immer wieder auf grosse Gamsherden, die sich durch unsere Anwesenheit nicht aus der Ruhe bringen lassen. Auch wenn sich der Rückzug der Gletscher deutlich zeigt, staunen wir über die doch noch riesigen Gletscherfelder, die die Bergspitzen umfliessen. In der Umgebung von Ailefroide befinden sich drei Berghütten, die man gut auf einer Tageswanderung besuchen kann. Vor allem die Tour zum Refuge du Glacier Blanc ist, was das Panorama und die Tuchfühlung mit den Gletschern angeht, nicht zu übertreffen. Wir steigen von der Hütte noch etwas weiter bis zur Gletscherzunge auf und blicken über die imposante Eiswelt. In der Ferne können wir die Seilschaften ausmachen, die von der Besteigung des über 4000 m hohen Barre des Écrins zurückkehren.

So wohltuend der Aufenthalt auf dem Naturcamping auch ist, zieht es uns nach einigen Tagen doch wieder weiter und wir verlassen den unvergesslichen Platz talauswärts. Weit kommen wir allerdings nicht. Im Örtchen Pelvoux lädt ein schön gelegener Campingplatz zu einer weiteren Nacht ein. Auch von hier aus lässt sich der Nationalpark bestens erkunden, und wir wählen eine anstrengende Tagestour aus. Mit den Bikes geht es frühmorgens auf einem kleinen Strässchen bergwärts. Wir radeln Kurve um Kurve in die Höhe, bis wir das Sommerweidegebiet von Chambran erreichen. Dort lassen wir die Fahrräder stehen, um unsere Tour zu Fuss fortzusetzen. Das breite Tal mit den saftigen Weiden, die schon zu frühen Zeiten von den Schafhirten bevorzugt wurden, weicht im steilen Aufstieg rasch einer Welt aus Felsen und Eis. Als wir über eine Kuppe klettern und den Lac de l’Eychauda erblicken, trauen wir unseren Augen kaum: Vor uns liegt in einem massiven Felskessel ein türkisfarbener Bergsee, der wie aus dem Bilderbuch in der menschenfeindlichen Steinwelt glitzert. Wir geniessen den Blick auf die Wellen, die sanft an Land plätschern, bei einem frischen Baguette mit Brie. Gestärkt kann unsere Wanderung weitergehen – die Stärkung kann man für die nächste Etappe gut gebrauchen: der Weg wird steil, ausgesetzt und äus-serst schmal. Konzentration ist gefragt, jeder Schritt muss sorgfältig gewählt werden. Es wird nicht das letzte Mal auf unserer Reise durch die französischen Alpen sein, dass uns ein als normaler Wanderweg gekennzeichneter Pfad technisch herausfordern wird. Die Kraxelei wird mit einmaligen Ausblicken über die weite Bergwelt belohnt. In der Ferne glitzern weitere grosse Gletscher. Immer wieder stellen wir beim Blick auf die Wanderkarte fest, dass diese Gegend völlig unbekanntes Neuland für uns ist. Es macht Spass, nicht allzu weit von den Schweizer Alpen entfernt völlig neue Gipfelwelten zu erkunden.


Ein ausführlicher Reisebericht ist im Magazin Wohnmobil & Caravan zu lesen. 
Die Ausgabe 3/2019 lässt sich online bestellen.

An der Strecke
Mit der Alpe d'Huez und Val-d’Isère liegen zwei Orte an unserer Route, die bei Sportfans einen klingenden Namen haben. Eine Etappenankunft der Tour de France, wie es sie schon über 20 mal gab, ist jeweils ein besonderes Ereignis, und auch Radsportfans aus der Schweiz stehen mit ihrem Wohnmobil an der Strecke. Val-d'Isère ist als Skisportort durch die Weltcup-Rennen bei den Skifans bestens bekannt.

Wer Campingplätze in dieser Region sucht, findet auf www.campingfrance.com eine breite Wahl.

Text und Fotos: Alexandra Stocker
aus: Wohnmobil und Caravan, Heft Nr. 3/2019

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